Das Versagen der deutschen Nicht-Linken
Überall im europäischen Ausland kann man ein Ansteigen der Wählerschaft „rechter“ Parteien beobachten.
Ob Österreich, Schweiz, Belgien, Ungarn, Niederlande – überall sind rechtskonservative beziehungsweise patriotische Parteien im Aufschwung und teilweise schon in der Regierung.
Lediglich in Deutschland führen die Rechtsparteien, oder nicht-linken Gruppierungen, immer noch ein Schattendasein; sie sind bis auf ganz wenige Ausnahmen nirgends wirklich präsent.
Dabei geht nach jeder Wahl immer wieder das gleiche Jammern los: ja, man hätte vielmehr Erfolg, wenn da nicht die ” bösen Medien ” oder der “unwissende Wähler” wären, welches einen Wahlerfolg (sei er noch so bescheiden) verhindert.
Wirklich an die eigene Nase faßt sich kaum jemand; die Schuld wird immer nur bei anderen gesucht.
Sicher ist es in Deutschland angesichts der herrschenden Verhältnisse für eine freiheitlich-konservative, patriotische Partei (die nun vielleicht als „rechts“ bezeichnet wird) äußerst schwierig, sich auf Dauer zu etablieren. Aber die größte Schuld an diesem ständigen Scheitern trägt „die deutsche Rechte“ selbst.
Schon wer sich nur ein wenig näher mit den bekannteren Rechtsparteien befaßt, wird nach kurzer Zeit nur noch mitleidig den Kopf schütteln. Statt auf wirkliche politischer Alternativen stößt man hier auf ein Netz von persönlichen Eitelkeiten, Feigheit, Starrsinn oder auch nichtssagenden Programmen; die Fähigkeit zu wirklicher politischer Arbeit ist, zumindest in den höheren Gremien, meistens weder erwünscht noch vorhanden.
Statt einen gemeinsamen kleinsten Nenner zu suchen, sich auf ein gemeinsames Ziel zu verständigen, auf dessen Grundlage eine konstruktive Zusammenarbeit möglichst vieler gleichgesinnter Organisationen und Personen möglich wäre, wird mit der Lupe jeder auch noch so kleine Unterschied groß herausgestellt.
Statt sich auf den Kampf gegen den gemeinsamen politischen Gegner zu konzentrieren und der zweifelsohne vorhandene Schädigung durch Medien sinnvoll zu begegnen, zerfleischen sich Gleichgesinnte selbst.
Statt sich aktueller politische Themen anzunehmen bzw. die Schuldigen für bestimmte Verfehlungen öffentlich massiv anzugreifen, sucht man lieber nach Schuldigen, welche durch Verschwörungen unser Land in den Abgrund stürzen.
Statt ein Programm zu entwerfen, welches sich die Sorgen und Nöte des Wählers annimmt und eine breite Wählerschicht anspricht, bietet man oft lediglich ausgelutschte Parolen, welche sich auf eine Minderheit konzentrieren und erwartet dann von dem Wähler, daß er gefälligst dieses Programm zu akzeptieren habe.
Statt den Bürger und Wähler als mündigen Menschen zu behandeln, soll er den Funktionären der jeweiligen Partei lediglich als Steigbügelhalter zu möglichen Posten und Geldern dienen, genau wie dies schon seit Jahren die etablierten “Alt-Parteien” erwarten, nur auf niedrigerem Niveau.
Erdreistet sich der Wähler, diese Rolle nicht zu spielen, wird er nach der Wahl manchmal auch noch beschimpft.
Statt auch mal über den politischen Tellerrand hinauszuschauen und zu sehen, wie politische Gegner ihre Erfolge erringen und deren Strategie zu erkennen, schimpft man lieber auf alle anderen, welche sich erdreisten, politische Erfolge zu haben.
Statt die Fähigkeit zu einer fruchtbaren Streitkultur zu entwickeln, wechselt man bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit lieber die Partei, beziehungsweise gründet gleich eine neue, welche dann natürlich die “einzig wahre” Rechtspartei ist, während alle anderen ja nur zersetzende Funktion haben und lediglich den Aufbau einer ” wirklich starken rechten Opposition” verhindern.
Sicherlich könnte man noch viele andere Gründe für das Schattendasein deutscher nicht-linker Opposition nennen, wie die mangelhafte Fähigkeit, sich für Neues zu öffnen, ein nicht vorhandenes geschlossenes Weltbild, oder auch die teilweise völlig ungenügende Außendarstellung und Werbung.
Doch allein schon die Aufzählung obiger Gründe sollte ausreichen, um den Interessierten deutlich zu machen, warum es in Deutschland im Gegensatz zum übrigen Europa im Moment keine wirklich oppositionelle Kraft gibt, welche auch nur annähernd in der Lage wäre, mittelfristig ein gewisses politisches Gewicht zu erlangen.
Schließlich muß man nochmal die Frage stellen: Was ist rechts heute; was kann dieser Begriff heute bedeuten?
Folgt man der Lesart der linken Meinungsmache und der etablierten Parteien, dann sind es alle, die nicht links, nicht marxistisch, sozialistisch ausgerichtet sind, nicht der Gleichmacherei in allen Lebensbereichen folgen wollen und Deutschland verachten, stattdessen aber genauer in geschichtliche Zusammenhänge blicken, sowie freiheitlich, demokratisch, republikanisch ausgerichtet sind.
Rechts wird pauschal gleichgesetzt mit dumpf, antimodern, revisionistisch (im denkbar schlechtesten Sinne), menschenverachtend und gewaltbereit oder gar nationalsozialistisch; ja, häufig heißt es in öffentlicher Darstellung nur „rechtsextrem“ – dies impliziert: rechts gleich gefährlich.
Dies sind nicht einmal Halbwahrheiten und ist geschichtlich nicht haltbar.
Tatsächlich ist es so, daß als „rechts“ – und damit gleichgesetzt als pauschal böse – das bezeichnet und diffamiert wird, was nicht in das linke Weltbild passt.
Oder: Alles, was nicht links ist, ist schlecht, verwerflich, unmoralisch – natürlich aus linker Weltsicht.
Diese Sicht sollte sich eine aufkommende Opposition nicht weiter aufstempeln lassen; die Kunst ist es, diese willkürliche Bezeichnung und Deutung der nicht-linkskonformen Oppositionsbewegung zu durchbrechen.
So gesehen gibt es doch eine breite Basis an Parteien, Personen und politischen Vereinen, die angeregt sein sollten, ja sich aufgefordert sehen müssen, entschlossen zusammenzuarbeiten; die Nicht-Linken sind ein großes Heer, welches den absurde, überholte Ideologien Wiederkäuenden und schlichten Gemütern mit dumpfen Parolen etwas entgegenzusetzen hat.
Die Gleichung der sechziger und siebziger Jahre – links ist selbstredend = intellektuell, geht nicht auf, diese war schon immer unwahr.
von Dietz Kippschull