Kategorie: Bildung & Gesellschaft

Spiegel-online: Verfassungsschutz soll Zwickauer Zelle 2000 Mark übergeben haben

-

Nach den vielen Ungereimtheiten und Widersprüchen, die im Zusammenhang mit den Ermittlungen, oder besser Enthüllungen, bezüglich der NSU-Dönermordserien-VS-Affäre zutage treten, erscheint nun im Spiegel ein weiterer Bericht zum Thema, der als Baustein zu den vielen Absonderlichkeiten hinzugerechnet werden kann.

Wirklich wundern kann man sich schon kaum noch. Die Verstrickungen des Verfassungsschutzes – oder sollte man den “Verfassungsschutz”  eher unter Vorbehalt als solchen so bezeichnen – in diese gesamte Angelegenheit wirft eher die Frage danach auf, ob wir ein “rechtes Problem” oder eine “gefährliche rechtsradikale Szene” haben, oder aber einen handfesten VS-Skandal, somit eher ein Geheimdienst-Problem haben.

Diese undurchschaubar handelnde Behörde, mit ihren Kontakten und Verbindungsleuten, scheint nicht den Rechtsstaat und das Grundgesetz zu schützen, sondern ganz eigene Wege zu gehen.

Bleibt die wesentliche Frage, warum der VS eine gewaltbereite ausländerfeindliche Gruppierung unterstützt, oder gar gründet, verschleiert und im Rahmen von Ermittlungen manipuliert.

Es wird ja gemeinhin und womöglich voreilig unterstellt, der VS sympathisiere mit dieser Geisteshaltung der NSU, radikalen Ausländermördern, stünde teils selbst auf deren Seite – vom Handeln her ja, so scheint es.  Doch kann eine ganz andere Sicht auf die Dinge andere mögliche Motive aufzeigen: Der VS hat die Aufgabe, zu radikalisieren, zu propagieren, dazu beizutragen in der Folge zu diskreditieren und somit Ansichten/ Meinungen zu isolieren, oder kurz gesagt – der VS ist ein mögliches Instrument zur Agitation.

Was die wirklichen Hintergründe und Motive sind, werden wir wohl nie gänzlich erfahren, wie in so vielen Fällen.

 

Hier der Spiegel-Bericht:

Verfassungsschutz soll Zwickauer Zelle 2000 Mark übergeben haben

Der Thüringer Verfassungsschutz hat laut “Bild am Sonntag” eine Geldzahlung an das Zwickauer Neonazi-Trio eingeräumt. Demnach ließ der Geheimdienst der Zelle, der zehn Morde zur Last gelegt werden, über Mittelsmänner rund 2000 Mark für gefälschte Pässe zukommen.

Berlin – Der Thüringer Verfassungsschutz soll eine direkte Geldzahlung an das Zwickauer Neonazi-Trio eingeräumt haben. Demnach ließ der Geheimdienst der Neonazi-Zelle, der mehrere Morde zur Last gelegt werden, über Mittelsmänner mehr als 2000 Mark für gefälschte Pässe zukommen. Das berichtet die “Bild am Sonntag” (BamS). Sie beruft sich auf Aussagen eines Verfassungsschutz-Mitarbeiters, die dieser am 6. Dezember vor der geheim tagenden Kontrollkommission des Thüringer Landtages gemacht haben soll.

 

im Spiegel weiterlesen.

Das Drama mit der deutschen Bevölkerungsentwicklung: Geburtenmangel und Schwäche von Regionen

 

Neben vielen Gefahren und Schwierigkeiten für unser Land und das deutsche Volk ist ein besonderes Augenmerk auf die bedrohliche Entwicklung der Bevölkerung zu richten.  Geburtenschwäche, Auswanderung und Abtreibung zeigen tiefgreifende Folgen, die sich von einer zur  nächsten Generation erheblich steigern.

Dazu kommt die besonders bedrohliche Lage für einige Regionen, die durch Abwanderung in andere Gegenden innerhalb Deutschlands zunehmend ausbluten. Dies trifft nicht nur auf  Mitteldeutschland zu, sondern auch auf Nordhessen, teile von Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Auf  Spiegel-Online findet man eine informative Grafik, die die Bevölkerungsprognose für Deutschland bis zum Jahre 2030 darstellt.

Man lasse sich aber nicht dadurch in die Irre führen, daß es dort grüne Flächen zu sehen gibt. Auch hier gibt es zumeist einen Rückgang der Kinder und Jugendlichen unter der Bevölkerung, die im höheren einstelligen Bereich liegt.

 

http://www.spiegel.de/flash/0,,27246,00.html

 

 

 

_

Die etablierte Politik kommt nun offenbar nicht mehr an dem Thema LINKSEXTREMISMUS vorbei – zumindest in Bayern sieht man das anscheinend so

 

Es gibt nun eine offizielle Seite der Regierung des Freistaates gegen Linksextremismus, erstellt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ministerien und der “Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus”.

Auf der Seite heißt es unter “über uns”:

Bayern gegen Linksextremismus richtet sich an alle, die sich pädagogisch, politisch und persönlich mit Linksextremismus auseinandersetzen.

 

Auch gibt es eine Liste mit Parteien und Organisationen – welche allerdings etwas kurz scheint.

https://www.bayern-gegen-linksextremismus.bayern.de/wissen/parteien-und-szenen/parteien-und-organisationen

Zu der Seite Bayern gegen Linksextremismus geht es “hier.”

Wie wir unsere Sprache aufgeben

25.07.2011 · 07:20 Uhr

Es wäre schön, mehr Deutsch im Radio zu hören, findet Paul-Hermann Gruner. (Bild: Stock.XCHNG)

Braucht Deutschland bald eine Deutschquote?

Von Paul-Hermann Gruner

Wir leben in einer Sprach- und Sprechkultur, die sich aus Versehen selbst entkernt. Denn die verbreitete Annahme, dass Internationalität mit sprachlicher Selbstaufgabe einherzugehen hat, ist ein deutsches Missverständnis.

Es wurde jüngst demonstriert in Leipzig. Das Besondere: Es wurde demonstriert für mehr deutschsprachige Musik in deutschen Radiosendern. Endlich mal eine Demo, bei der es nicht um Atommeiler ging, um Untergrundbahnhöfe oder den grotesken Schuldenstand der Hellenen. Sondern um den zentralen Kulturausdruck in diesem Land: die Sprache. Es ging um Repräsentanz, Würdigung und Identität. Und auch um einen Wirtschaftszweig. Aber eins nach dem andern.

Wir leben in einer Sprach- und Sprechkultur, die sich aus Versehen selbst entkernt. Denn die verbreitete Annahme, dass Internationalität oder Weltbürgertum mit sprachlicher Selbstaufgabe einherzugehen hat, ist ein deutsches Missverständnis – ein nationales Fehlverhalten. Während der Frauen-Weltmeisterschaft gab es Eintrittskarten für die Spiele beim “Ticketing-Abhol-Counter”. Das ist nicht nur ein atemberaubend hässlicher Begriff, das ist ein Gewaltakt. Gleichzeitig ein kleines, aber sehr schönes Beispiel unter tausenden, dass belegt, wie wir dem Götzen der Leitkultur des Englischen und Denglischen willig opfern. Sprachkulturelle Unterordnungslust folgt also auch purer Gewöhnung an Stillosigkeit.

Die neue Herrschaftssprache resultiert im Wesentlichen aus zwei jahrzehntelangen kultursoziologischen Prozessen, die sich wie Ying und Yang gegenseitig bedingen und ergänzen. Der erste Prozess entsprang dem Machtwillen der Konzerne des angloamerikanischen Kulturimperialismus, dominanzhungrig und marktmissionarisch. Aber bitte – unter Marktgesetzen darf jeder so handeln wollen. Die Frage ist vielmehr, wie man mit diesem Willen als scheinbar Beglückter umgeht.

Und da kommen wir zu Entwicklungsprozess Nummer zwei. Wir kommen zur Verlängerung des amerikanischen Jahrhunderts – des 20. – in die seelische Struktur unbedingter deutscher Anpassungsbereitschaft. Seit 60 Jahren sind der schnelle Applaus fürs Fremde und die Abqualifizierung des Eigenen ein tief eingepflanzter Kollateralschaden des vom Nationalsozialismus nachhaltig torpedierten deutschen Selbstbildes.

Fatalerweise gingen große Teile des Ekels und der Scham über die NS-Diktatur auf die deutsche Sprache über, weg vom Ungeist der sie Sprechenden. Das Verstecken und Vermeiden der eigenen Sprache geriet zum guten Ton, zum Beweis für Läuterung. Und inmitten dieser mentalen Konjunktur wurden die meisten Musikredakteure in diesem Lande sozialisiert und codiert. Sie denken Pop englisch. Und Punkt. Deutsch wirkt da nur provinziell oder ist eben gleich – Abgrund organisierter Selbstverachtung – Deutschtümelei.

Sichere Identität und kulturelles Selbstbewusstsein sehen anders aus. 100 Millionen deutsche Muttersprachler in ganz Europa sollen ihre Mutter ignorieren? Es gibt dafür auch in der populären Musik weder sprachästhetisch noch sprachrhythmisch oder sprachphonetisch relevante Gründe. “Ich schätze an der deutschen Sprache die Präzision, mit der sich Gefühle ausdrücken lassen”, sagt Hape Kerkeling. Dann wäre es doch schön, sie im Radio auch zu hören. Da dies ausbleibt, ergibt sich auch der wirtschaftliche Teufelskreis: Wer nicht hörbar ist, wird nicht nachgefragt, wer nicht nachgefragt wird, verkauft nichts und – ist nichts. Bekommt aber dann den Vorwurf, er sei ja auch nirgendwo zu hören. So beißt sich die deutschsprachige Katze derartig entschlossen in den eigenen Schwanz, dass sie nicht mal mehr ein Miau quietschen kann.

Nun, weltoffen und selbstvergessen wie wir sind, wird eine Quote wohl unumgänglich werden: Eine Quote für Deutsch in Deutschland.

Paul-Hermann Gruner, Publizist und Künstler. Geboren 1959, ist Politikwissenschaftler und Historiker. Seit Beginn der 80er Jahre tätig als bildender Künstler mit den Schwerpunkten Montage, Installation und Performance. Seit 1996 in der Redaktion des “Darmstädter Echo”, daneben Veröffentlichungen in regionalen und überregionalen Zeitungen, satirische Texte, Buchpublikationen unter anderem zu Sprachpolitik und Zeitgeistkritik.

Die Forderung nach „qualifizierten Einwanderern“ und die Arbeitslosenstatistik im Widerspruch

3. Aug. 2011

von Kai Mader

Wir bekommen allenthalben die Forderung um die Ohren gehauen, Deutschland solle um hochqualifizierte Einwanderer werben und die Hürden für deren Zuzug senken, wie es auch jüngst Philipp Rösler äußert: “Wir müssen jetzt dringend handeln und die Zuwanderung von Fachkräften deutlich erleichtern” [...]“Dazu müssen wir die Gehaltsschwelle von derzeit 66.000 Euro auf 40.000 Euro pro Jahr absenken.”

Auch Arbeitgeberverbände äußern sich unverdrossen in dieser Weise. Rainer Brüderle, ebenfalls FDP, spricht sich für die Aussetzung der Vorrangprüfung in allen Branchen aus und äußert sich weiter: “Eine Unterscheidung nach Branchen im Moment ist nicht nachhaltig: Jetzt fehlen vielleicht Ärzte und Ingenieure, morgen fehlen jedoch Fachkräfte in weiteren oder anderen Feldern”.  Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will vor allem Hürden für ausländische Ärzte und Ingenieure gesenkt sehen.

Auf der Netzseite von N-TV, in einem Artikel vom 22. Juni 2011, heißt es „Deutsche Firmen dürfen künftig Ingenieure für Maschinen- und Fahrzeugbau sowie für Elektrotechnik, aber auch Ärzte aus Nicht-EU-Staaten einstellen, ohne nachweisen zu müssen, dass kein einheimischer Bewerber verfügbar ist. Dies sieht das Fachkräftekonzept vor, das am Vormittag vom Kabinett beschlossen werden soll.“   Derartige Meldungen und Äußerungen sollen uns fortwährend den Verstand vernebeln und den Eindruck der „Alternativlosigkeit“ vorgaukeln, oder uns vorspielen, wir gingen einer Lage entgegen, die über uns hereinbricht, gleichsam einer Naturkatastrophe.

Aber: Dieses propagierte Desaster ist weder über uns hereingebrochen wie eine Naturgewalt, noch ist das die ganze Wahrheit. Wer redet in diesem Zusammenhang von der auf uns lastenden Auswanderung von Fachkräften? Aus Deutschland wandern jährlich derart viele Ärzte, Ingenieure und andere Ausgebildete aus, daß dies im Laufe von mehreren Jahren einem gewaltigen Aderlaß gleichkommt. Diese Auswanderer haben in Deutschland eine aufwändige und teure Ausbildung durchlaufen, für die großenteils die Gemeinschaft aufgekommen ist.

Dieselben Marktschreier, die uns mit dem Geheule vom Fachkräftemangel auf den Nerv gehen, haben es seit Jahren und Jahrzehnten zu verantworten, daß hierzulande Bedingungen herrschen, die diese Hunderttausende aus dem Land treiben.  Seit Jahren haben sie es nicht geschafft, Ärzten ein Arbeitsumfeld zu schaffen, ob in der Stadt oder auf dem Lande, welches sie für ihre Zukunft nicht Skandinavien oder außereuropäische Länder vorziehen läßt.  Ingenieure ziehen es vor Deutschland und gar Europa den Rücken zu kehren; die hier händeringend gesuchten Naturwissenschaftler ziehen häufig die USA ihrer Heimat vor. Soll uns doch keiner erzählen, es liege an der Reiselust der Leute und ihrem Entdeckerdrang, daß Sie ihrer Heimat den Rücken kehren.

Und einen weiteren Aspekt gibt es, neben der Auswanderungswelle: Die heimische Arbeitslosigkeit von Qualifizierten. In einer dpa-Meldung, die gestern in Zeitungen abgedruckt zu finden war, heißt es „Auch Qualifizierte verlieren oft den Job.“ Trotz guter Konjunktur hätten im ersten Halbjahr 1,5 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren; über eine Millionen der Neu-Arbeitslosen verfügten über eine abgeschlossene Lehre oder ein Hochschuldiplom, dies gehe aus einer Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes hervor. Das Risiko, arbeitslos zu werden, sei selbst für Qualifizierte sehr hoch, so der DGB-Arbeitsmarktexperte, Wilhelm Adamy.  Schuld daran seien vor allem „instabile und befristete Beschäftigungsverhältnisse, unzureichende Personalplanung der Unternehmen, wirtschaftlicher Strukturwandel und konjunkturelle Schwankungen.“ Von den 1,444 Millionen Neu-Arbeitslosen des ersten Halbjahres 2011 hätten 908.000 einen Berufsabschluß und 110.000 einen Hochschulabschluß.

- Man höre und staune!

Nun, abgesehen davon, daß man hier schon einen Teil der Gründe aufgezeigt bekommt, weshalb viele Gutausgebildete Deutschland verlassen, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das die Bedingungen sind, unter denen es gelingen mag, qualifizierte Ausländer für den hiesigen Arbeitsmarkt zu gewinnen und hier zu halten.

Sollten wir nicht vorrangig darauf hinarbeiten, Inländer mit Ausbildung hier zu halten, ihnen gute Bedingungen zu schaffen?!   Ist es wirklichkeitsnah, anzunehmen, daß beispielsweise Ärzte aus fernen Ländern ihre Heimat, ihre Freunde und Verwandten verlassen, um in einem Land berufstätig zu werden, welches von angestammten Jung-Ärzte scharenweise verlassen wird und dessen Bildungssystem inzwischen einen eher zweifelhaften Ruf genießt? – Nein, und daß dies Ideen aus dem Kramladen der einfältigen Verzweiflung stammen, geboren aus derselben Dummheit, die diese Bedingungen schuf und verfestigte, ist offenkundig.

Gerade heute ist aktuellen Meldungen zu entnehmen, daß Deutschland die geringste Geburtenrate in Europa aufweist. Ob dies verwundert, kann man dahingestellt sein lassen. Aber es ist keine neue Erkenntnis, und neu ist auch nicht, daß sowohl bei der viel zu geringen Zahl an Geburten und der Vergreisung der Gesellschaft, wie auch in einem erodierenden Bildungssystem, ruiniert von ideologischen Irrfahrten der 68er -Generation und ihrer geistlosen geistigen Nachfahren, wesentliche, tiefliegende Ursachen für unsere Schwierigkeiten zu finden sind. Dies birgt vor allem heftige Schwierigkeiten für die kommenden Jahrzehnte.

Zu allem Überfluß äußern sich auch noch am laufenden Band sogenannte Experten, die ihre sonderbaren Analysen und absurden Vorschläge zum Besten geben. So kann man etwa ebenfalls in der N-TV-Meldung folgendes lesen: „Unterstützung erhält Brüderle von Herbert Brücker, Experte für Zuwanderung und Arbeitsmarktpolitik beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Forschungszweig der Bundesagentur für Arbeit (BA). Seiner Meinung nach greift das Konzept der Regierung zu kurz. “Die Tür wird nur einen Spalt geöffnet”, sagte Brücker. Notwendig sei jährlich unterm Strich eine Zuwanderung von etwa 200.000 Personen, um den Rückgang des einheimischen Arbeitskräftepotenzials aufzufangen.“ Im Folgenden kann man dem Bericht vom 22. Juni entnehmen, daß die jüngste „Forderung“ von Rösler von diesem Experten inspiriert wurde.

Doch ein Blick in die derzeitige Arbeitslosenstatistik zeigt uns, daß dieses Narrenschiff schwer Schlagseite hat: Die Statistik des Arbeitsamtes (Arbeitsagentur) vom Juli 2011 zeigt uns, aufgeschlüsselt nach Berufsfeldern ein Bild, welches es schwer macht, diesen und anderen Unsinn hinzunehmen. Im Berufsfeld Bau, Architektur, Vermessung Gebäudetechnik  stehen 243.000 Arbeitssuchende 47.000 offenen Stellen gegenüber, im Feld Naturwissenschaften, Geographie, Informatik 48.000 Arbeitslose stehen 14.000 Stellen gegenüber. im Feld Gesundheit, Lehre, Erziehung 258.000 Arbeitslose gegenüber 66.000 Stellen. Auch im Bereich kaufm. Dienstleistungen, Handel, Vertrieb Tourismus ist die Kluft groß: 472.000 innländische Arbeitssuchende gegenüber 61.000 offenen Stellen. Dies sind nur Beispiele, das ganze ließe sich erschöpfender darstellen.

Bemerkenswert ist auch der Blick auf die Statistik des Arbeitsamtes unter dem Gesichtspunkt der Ausländerarbeitslosigkeit.  Insgesamt sind unter den Ausländern 14,4 % arbeitslos, unter den Deutschen ist eine Quote von 6,3 % zu finden. Markant ist die Arbeitslosenquote unter den Menschen im mittleren Erwerbsalter, zwischen 25 und 50 Jahren. Hier haben die Ausländer eine Arbeitslosenquote von 14.7 %, also etwas mehr, als der des Ausländerdurchschnittes – Deutsche ebenfalls 6,3%. Diese Erhebung gibt allerdings nicht Auskunft über die Arbeitslosigkeit von eingebürgerten Ausländern.

Zugegeben, diese Zahlen geben die Arbeitslosigkeit aller Ausländer in Deutschland wieder, welche ja vor allem ein äußerst geringes Bildungsniveau besitzen; die hochqualifizierten findet man hierin wohl nur in Ausnahmefällen. Aber wurden durch ungeregelte und vor allem ideologisch bestimmte Einwanderung in den vergangenen Jahrzehnten riesige Probleme angehäuft, deren Bewältigung kaum vorstellbar ist, will man uns nun das Heil durch eine neue Einwanderschicht versprechen.

Steht hinter alle dem nicht in der Hauptsache der Block der großen Arbeitgeber und deren Klientelparteien, FDP und Union, die mit der immer breiter angelegten Einwanderung und dem daraus folgenden Druck auf den Arbeitsmarkt – der steigenden Konkurrenz der Arbeitnehmer – ein Instrument zur Lohn- und Gehaltsdrückerei schaffen?

- Cui bono – Wem zum Nutzen?

Quellen:

http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Arbeitslose-und-gemeldetes-Stellenangebot/Arbeitslose/Arbeitslose-Nav.html

http://www.n-tv.de/politik/Roesler-Zuwanderung-erleichtern-article3945271.html   http://www.n-tv.de/politik/Bruederle-will-breite-Zuwanderung-article3631686.html

dpa-Meldung, am 2. August in der Presse

PAZ: Chancen und Möglichkeiten – Wem Anders Behring Breivik ganz neue Perspektiven eröffnet hat

Wem Anders Behring Breivik ganz neue Perspektiven eröffnet hat, wie virtuos sie genutzt werden, und wieso jetzt die »Mitte« fällig ist

 Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

30.07.11

 

Eigentlich sollte die Welt vereint sein in Schrecken und Abscheu vor der Tat des Anders Behring Breivik. Ja, eigentlich, aber für dieses „Eigentlich“ ist die Situation viel zu günstig, um mal ordentlich aufzuräumen mit dem politischen Gegner. Die „Taz“ hat die Gelegenheit erkannt und lässt ihrer Befriedigung in erfrischender Offenheit freien Lauf: „In dieser Zumutung liegt eine Chance für Aufklärung … Angesichts dieser Katastrophe kristallisiert sich die Möglichkeit heraus, sich endlich von der bedrohlich mittig gewordenen Islamophobie zu distanzieren.“
Die Worte klingeln so laut in den Ohren wie ein Vierstrahl-Jet, der in zwei Metern Entfernung an einem vorbeidonnert: Viele Wörter schwirrten uns durch den Kopf nach dem Massenmord. Wörter wie Schrecken, Entsetzen, Trauer, Fassungslosigkeit zählten alle dazu. „Chance“ und „Möglichkeit“ hingegen waren nicht dabei, bis uns die „Taz“ das Tor zu dieser überraschend optimistischen Deutung der Ereignisse aufstieß. Es kommt halt immer darauf an, was man draus macht. Und wozu man imstande ist.
Breivik hat ein gigantisches Arsenal an Denunziationsmöglichkeiten hinterlassen, aus dem interessierte Kreise herausschleppen, was sie irgend tragen können. Die Internetseite der „Tagesschau“ („tagesschau.de“) setzt den Massenmörder ohne Umschweife auf den Schoß eines bekannten deutschen Politikers und Buchautoren. Dort erklärt man uns die „bekannte Argumentation von Breivik und anderen ,Islam-Kritikern‘, die nicht weniger als die Abschaffung Deutschlands (Sarrazin) oder Europas (Breivik) prophezeien“. Der Ex-SPD-Senator Thilo Sarrazin und der Massenmörder Breivik als Brüder im Geiste. Wie gesagt: Es kommt darauf an, was man draus macht. Da ist es nur konsequent, dass der „Tagesschau“-Autor gleich auch noch Rechtsradikale und die „bürgerlichen Kreise“ in Deutschland miteinander verrührt.
Und die beiden Medien waren bei weitem nicht allein: Auf der Internetplattform „Turkishpress“ werden neben Sarrazin auch der Niederländer Geert Wilders, der Autor Henryk M. Broder und die „Euterclique“ in die Breivik-Bande aufgenommen. Mit „Euterclique“ bezeichnet „Turkishpress“-Autor Ercan Tekin deutsche Frauen türkischer Herkunft wie Seyran Ates, Necla Kelek oder Güner Balci, die gelegentlich ein Haar in der multikulturellen Suppe finden und nicht alles goutieren, was in gewissen Milieus für Frauenpflichten gehalten wird.
Ein anderer Fachmann macht auf „tagesschau.de“ den Sack zu und schlägt einen riesigen Bogen von Breivik zu allen „Rechtspopulisten“ von der dänischen Volkspartei über die Schwedendemokraten, die Wahren Finnen, die Wilders-Leute, die FPÖ und die Schweizerische Volkspartei bis zur Tea-Party-Bewegung in den USA. Selbst die kleinen deutschen Gruppen „Pro Deutschland“ und „Die Freiheit“ kriegen ihren Breivik ab.
Als Experten ihrer Kunst lassen sich die Breivik-Schmeißer natürlich nicht von den störenden Einwürfen der Wissenschaft vom Kurs abbringen. Psychologen streichen heraus, dass der Norweger ein schwer gestörter Psychopath sei, der politische Thesen nur zusammengeklaubt habe, um seiner reinen Mordlust ein „legitimierendes“ Feigenblatt zu verschaffen. Das mag zwar wahr sein, aber dann wäre die Sache propagandistisch ja völlig unbrauchbar. und das wäre dann doch wirklich zu schade.
Zumal man aus der Geschichte weiß, wie gut solche Kampagnen funktionieren. Spektakuläre Attentate lassen sich herrlich nutzen zum Großreinemachen, weil nach solchen Greueltaten nur die aller Kaltblütigsten den Schneid haben, überhaupt an ausgefeilte Kampagnen zu denken. Alle anderen sitzen bleich und erschrocken in der Ecke und müssen erst einmal mit einem Sturzbach quälender Gefühle klarkommen. Daher sind sie ziemlich schutz- und ratlos und suchen händeringend nach Erklärungen für das Unbegreifliche. Das ist die Stunde der Diplomdenunzianten, um mit voller Wucht und Raffinesse loszulegen.
Obwohl – Raffinesse? Das wäre denn doch zu viel des Lobes. Eher gähnt einen die Plattheit derer an, die sich sicher sind, dass ihnen demnächst ohnehin keiner mehr zu widersprechen wagt. Und die es deshalb auch nicht stört, dass sie sich mit ihrem fadenscheinigen Gerede intellektuell lächerlich machen.
Schon ein kurzer Seitenblick legt ein Ausmaß an verlogener Oberflächlichkeit frei, das schon wieder Respekt einflößt: Dieselben, die hier wie losgelassen alles mit jedem verknüpfen, legen sogar bei international vernetzten und von Millionen Anhängern als Märtyrer umjubelten islamistischen Massenmördern erheblichen Wert darauf, dass es sich durchweg um „Einzelfälle“ handele, die in keinerlei Zusammenhang mit irgendwas stünden. Berufen sich die Terroristen auf den Dschihad, dann haben sie ihn eben missverstanden. Haben die Täter frühislamische Kampfschriften, die dazu aufrufen, Andersgläubige zu töten, so gedeutet, dass man Andersgläubige töten soll, dann haben sie die Schriften „fehlinterpretiert“. Der Psychopath Breivik hingegen hat alles absolut richtig verstanden und korrekt weitergesponnen, was Sarrazin, Broder und andere geschrieben haben.  
Moment mal: Und diesen Quatsch sollen die Leute glauben? Nein, nein, natürlich nicht.    Um die Wahrheit zu sagen: In der Praxis kommt es gar nicht darauf an, dass die Leute den Unsinn wirklich fressen. Man muss die Lüge nur laut genug hinausschreien, so laut, dass keiner mehr zu widersprechen wagt. Und dann wiederholt man sie so oft, bis sie sich ganz von selbst in „Wahrheit“ verwandelt hat. Wie wunderbar das funktioniert, ist mannigfach historisch belegt. Denken Sie an das völlig zu Unrecht lausige Ansehen der Wandalen – die ewig stinkende Frucht gekonnter römischer Kriegspropaganda.
Wer sich trotz des Geschreis zum Widerspruch aufrafft, den erklären wir heute zum „Rechtspopulisten“. Da man einer Necla Kelek oder einem deutsch-jüdischen Autor wie Henryk M. Broder schlecht Nähe zu Neonazis nachsagen kann, ist „Rechtspopulist“ zum neuen Schimpfwort Nummer eins avanciert. Seine Schwammigkeit macht es so ergiebig. „Rechts­populismus“ warf FDP-Generalsekretär Christian Lindner sogar einem knappen Drittel seiner eigenen Parteitagsdelegierten diesen Mai an den Kopf, weil sie sich Euro-skeptisch zeigten. Damit ist die Igitt-Zone mitten in die Mitte des politischen Spektrums vorgerückt. Die „Taz“-Tirade über die „bedrohliche Mittigkeit“ der Islamismuskritik deutet ebenso in diese Richtung wie die allerneueste Verortung der „bürgerlichen Kreise“ in der direkten Nachbarschaft der Rechtsradikalen.
Die norwegischen Behörden wollen den Breivik jetzt erst mal acht Wochen in Isolation halten. Glücklicherweise ist er kein  Linksterrorist, sonst hätten sich unsere Straßen bald mit Demonstranten gefüllt, die gegen die „Isolationsfolter durch das protofaschistische Osloer Regime“ aufbegehren. Dabei ist Isolation die beste Maßnahme. So kann sich der Kerl nicht länger in seiner „Berühmtheit“ suhlen, von der er ohnehin schon viel zu viel mitbekommen hat. Man stelle sich vor, welch satanische Freude ihn überkäme, wenn er mit ansehen könnte, welche Kampagnenwoge seine Schandtat im größten Land der EU ausgelöst hat?
Richtigen Neonazis ist die „dekadente Demokratie“ mit ihrer weichlichen Toleranz, ihrem Respekt vor dem Andersdenkenden und seinen Rechten abgrundtief zuwider. Sollte Breivik mit denen sympathisieren, dann kann er, was Deutschland angeht, einen großen Sieg verbuchen. Bei der Kriminalisierung eines immer größer werdenden Teils des politischen Spektrums  sind wir einen beträchtlichen Schritt vorangekommen.
Wie sagte doch gleich der Philosoph Baruch Spinoza schon im Jahre 1670: Die Tyrannei beginne dort, wo Meinungen zum Verbrechen erklärt würden.

 

http://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/chancen-und-moeglichkeiten.html

 

Hier können Sie  diesen

Wochenrückblick mit Hans Heckel

als PDF-Datei herunterladen:

PAZ-Chancen und Möglichkeiten-A.Breivik

Kann es überhaupt noch schlimmer werden: Beschimpfungen und Gewalt an “deutschen” Schulen

 

Der folgende Artikel aus der WELT spricht eine deutliche Sprache und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Ein Ausländeranteil von fast 100 Prozent; Gewalt, Ausgrenzung, Erpressung, sexuelle Belästigung, Bedrohung von Lehrkräften, Unterdrückung der wenigen Deutschen, keine Lernbereitschaft bei den meisten Schülern; dazu ein Mangel an Lehrern und Ausstattung und Experimente mit den Schulformen. – Der Sprung in den Abgrund ist schon geschehen; der Aufprall steht kurz bevor.

Aber lesen Sie selbst.

 

Beschimpfungen und Gewalt

Autor: Freia Peters| 19.06.2011

So chaotisch geht es an deutschen Schulen zu

In Berlin gibt es neben dem Gymnasium nur noch die integrierte Sekundarschule. Doch was den Unterricht verbessern sollte, führt oft ins Chaos.

Report aus dem Klassenzimmer.
In der zehnten Klasse der 8.Sekundarschule in Berlin-Schöneberg ist die Stimmung gut. Gut heißt, dass die deutschen und die arabischen Mädchen hier nicht aufeinander losgehen, so hatte es die Klassenlehrerin beschrieben.
Viele Schüler sind nicht in der Lage, sich mehrere Stunden lang auf den Unterricht zu konzentrieren.
Füsun* ignoriert, dass die Stunde bereits begonnen hat, schiebt sich einen Kaugummi in den Mund und schreibt eine SMS. Ihre langen Fingernägel sind signalrot lackiert. Sie trägt große glitzernde Kreolen und hochhackige Stiefel, die Haare toupiert. Neben ihr sitzt Anne, sie kaut gelangweilt auf ihrem Lippen-Piercing rum. Cem wirft ein Lineal durch den Raum, was Anne mit „Ey, du Opfer!“ kommentiert.
Die Schüler sollen den US-Roman „Die Welle“ lesen, in dem ein Lehrer an einer Highschool mit einem Experiment demonstrieren will, wie Massenzwang und letztendlich ein totalitäres System entsteht. Die Deutschlehrerin Frau Libera versucht die Eigenschaften der Hauptfigur zu sammeln, einer kämpferischen Schülerin, die sich dem Versuch widersetzt.
„Wie nennt man das, wenn jemand versucht, immer das Beste herauszuholen?“ „Arrangiert?“, fragt Füsun.
„So ähnlich“, sagt Frau Libera und schreibt „engagiert“ an die Tafel. Füsun ist vom Körper her eine Frau und vom Geist noch ein Kind. Sie wird gebeten, nach vorn zu kommen und ihre Zusammenfassung des ersten Kapitels vorzutragen. „Ich will nicht!“, sagt sie. „Dann helfe ich dir dabei“, sagt Frau Libera geduldig. „Dann mach doch gleich alleine!“, gibt Füsun genervt zurück.

“Ich hab keinen Bock mehr, ich gehe jetzt nach Hause”
45 Minuten später hat in der Pause eine Schlägerei begonnen. Wie Kampfhähne sind zwei Jungen aufeinander losgegangen, als hätten sie nur darauf gewartet. Der Auslöser – eine Lappalie, der Streit um einen Kugelschreiber. Erst als der Englischlehrer Detlef Peuleke den Klassenraum betritt, gehen die Schüler auseinander.
Herr Peuleke ist 1,90 Meter groß und von imposanter Statur, er ist Mitglied der erweiterten Schulleitung. „Ich würde sagen, da gibt es jetzt mal einen Brief nach Hause“, sagt er. Edin, einer der Raufbolde, schmettert sein Federmäppchen quer durch den Raum. „Nur wegen so einer Kleinigkeit!“, schreit er. „Ich hab keinen Bock mehr, ich gehe jetzt nach Hause!“
Laut Notfall-Plan des Berliner Senats zur Vorbeugung von Gewalt entspricht das Beleidigen von Lehrern, Sachbeschädigung und Anpöbelei Gefährdungsstufe 1. „Du Opfer, du Missgeburt, du bist hässlich!“ sind Ausdrücke, die im Minutentakt fallen in der Klasse – und zwar sowohl Schülern als auch Lehrern gegenüber.

Morddrohung, sexuelle Übergriffe, Mobbing und Erpressung gehören zur Gefährdungsstufe 2, gefolgt von Geiselnahme, Amoklauf, Totschlag und Schusswaffengebrauch: Stufe 3. Auf die potenziell drohenden Gefahren zu achten und Vorbeugung zu leisten liegt in der Verantwortung der Schule.
Laut Notfall-Plan müssen die Lehrer etwa bei einer Prügelei sofort eingreifen, sie beenden und anschließend Opferhilfe und Nachsorgung betreiben. Aber einzugreifen kann gefährlich werden. Neulich wurde eine Lehrerin im Gesicht von einer Gürtelschnalle getroffen, die eigentlich ein Mitschüler abbekommen sollte. Oft gehen die Lehrer aus Selbstschutz nicht körperlich dazwischen. Manchmal versuchen andere Schüler zu schlichten.
Im vergangenen Jahr war einige Male die Polizei im Haus. Im Winter etwa, als ein eifersüchtiger arabischer Ehemann in das gelbe Schulgebäude vordrang und die Lehrerin seiner 15-jährigen (!) Frau bedrohte.
Die Beamten kommen auch bei den heftigeren Prügeleien, wenn Schüler Messer mitbringen oder sich weigern, den Klassenraum zu verlassen. Zwölf Zentimeter darf die Klinge lang sein, dann fällt sie nicht unter das Waffengesetz und es gibt keine Anzeige. Die Schüler wissen das.
Neulich ist eine Schutzgelderpressung aufgeflogen. Ein Achtklässler musste einem Neuntklässler jeden Tag einen Euro zahlen oder die Hausaufgaben abliefern – als Gegenleistung für den angeblichen Schutz.
Der Anteil leistungsschwacher Schüler steigt
Herr Peuleke ist seit 1979 Lehrer. Besser geworden ist seitdem nichts. „Als ich vor 32 Jahren als Junglehrer anfing, war die Mehrheit meiner Schüler leistungswillig und leistungsfähig. Es gab nur eine kleine Gruppe von Kleinkriminellen, die sich aber innerhalb der Schule im Allgemeinen unauffällig verhielt“, sagt Herr Peuleke.
„Der Anteil sehr leistungsschwacher Schüler ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Viele schwänzen. Wenn ein Viertel der Schüler fehlt, ist es ein ganz normaler Tag. Wenn die Kinder nach der sechsten Klasse aus der Grundschule zu uns kommen, beherrschen viele nicht mal den Stoff einer vierten Klasse.“
Durchschnittlich drei von 50 Schülern der ehemaligen Hauptschule schafften es in den vergangenen Jahren auf direktem Weg, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Viele Schüler gelten als „unbeschulbar“; sie kommen permanent zu spät oder verlassen einfach den Klassenraum und gehen nach Hause, wenn es ihnen passt. Sie können schlicht keinerlei Regeln einhalten.
Mindestens 50 Prozent sind entweder stark verhaltensauffällig oder haben solche Schwierigkeiten, den Lehrstoff aufzunehmen, dass sie eigentlich eine besondere Betreuung bräuchten, so lautet die Einschätzung von Teilen der Schulleitung.

Eine Schule für alle
Mit dem Ziel, diese Schüler besser integrieren zu können, fusionierten im vergangenen Jahr Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu einer neuen Schulform mit nüchternem Namen: Integrierte Sekundarschule. Daneben existiert in Berlin nun als weiterführende Schule nur noch das Gymnasium.
Die Sekundarschule soll eine Schule sein für alle. Sie bietet ihren Schülern alle Abschlüsse bis hin zum Abitur nach 13 Jahren. Das zu erreichen dauert somit ein Jahr länger als auf dem Gymnasium, doch in den Bildungsstandards und den Schulabschlüssen sind beide Schulformen gleichrangig. So zumindest steht es auf dem Papier.
Doch tatsächlich befindet sich die ehemalige Waldenburgschule im Bezirk Tempelhof-Schöneberg im Jahr eins nach der Berliner Schulreform im Ausnahmezustand.

Der Alltag wird sich weiter verschlechtern
Das Lernpensum der Schüler ist minimal. Und der Alltag wird sich für Lehrer und Schüler mit fortschreitender Fusion weiter verschlechtern. In der Hauptschule waren die Klassen höchstens mit 16 Schülern besetzt. Künftig liegt die Obergrenze bei 26 Schülern.
In den neuen Klassen sitzen nun lernbehinderte Schüler neben solchen, die das Potenzial für das Abitur haben. Die Klassenräume sind klein, sie bieten keinerlei Möglichkeit, die Schüler in kleinere Gruppen zu teilen und so der viel gewünschten „Binnendifferenzierung“ Rechnung zu tragen – schließlich soll jedes Kind optimal seinem Potenzial entsprechend gefördert werden.
Der Anspruch klingt wie Hohn, betrachtet man den Schulalltag. Vor zwei, drei Jahren unterrichteten zwei Lehrer in fast jeder Klasse. Doch der Co-Lehrer, der sich ausschließlich um die lernbehinderten Integrationsschüler kümmern soll, ist nun weitgehend weggefallen und nur noch in wenigen Stunden im Einsatz. Dabei haben etwa 20 Prozent der rund 300 Schüler einen gesonderten Förderstatus und gelten als Integrationsschüler.

Sieben Stunden Stillsitzen ist unmöglich
Fächer wie Kunst, Musik, Arbeitslehre, in denen sich die Schüler austoben konnten, wird es fortan nur noch nachmittags als Wahlfach geben. Doch für die Schüler ist es quasi unmöglich, sieben Stunden hintereinander still zu sitzen und Mathe, Englisch, Physik und Erdkunde zu pauken.
„Wir merken das schon jetzt“, sagt Detlef Peuleke. „Auch wenn die Kinder zwischendurch zwei Stunden Kunst haben und zur Ruhe kommen. In der siebten Stunde können nur wenige dem Unterricht noch aktiv folgen.” Wenn es nicht mehr anders geht, schicken einige Lehrer die Schüler früher nach Hause.
Andere sprechen davon, dass sie kündigen wollen, wird die Reform weiter so durchgesetzt. Eigentlich ist jeder, mit dem man spricht, ratlos bis verzweifelt. Denn zu der angespannten Situation kommt noch hinzu, dass der Unterricht in drei verschiedenen Gebäuden stattfindet. Dem Gebäude der ehemaligen Hauptschule, der ehemaligen Realschule und dem Gebäude einer ehemaligen Grundschule, in das die Schule auf Dauer ziehen soll.
Hier wird die neue siebte Stufe unterrichtet, als erste in der neuen Schulform. Die jüngsten Schüler müssen für ihre Wahlfächer, den Sport-, Musik- und Arbeitslehre-Unterricht in die alten Schulgebäude laufen. Die neuen Jahrgänge, die nach den Sommerferien beginnen, werden auf die verschiedenen Gebäude verteilt.
Zwischen den einzelnen „Filialen“, wie es auf der Homepage der Schule modern beschrieben steht, liegt ein gut zehnminütiger Fußmarsch, der an einer viel befahrenen Straße entlang führt, unter eine S-Bahn- und einer Autobahnbrücke hindurch. Lehrer und Schüler pendeln zwischen den Filialen wie Vertreter hin und her. Alltag an der 8. Sekundarschule.

Florina äußert sich stets schreiend
Die nächste Stunde ist Physik. Für die meisten nicht unbedingt ihr Lieblingsfach. Herrn Rosner ist der Verdruss über seine lernunwilligen Schüler anzumerken. Florina ist hyperaktiv. Sie kann nicht still sitzen, quatscht ständig dazwischen und provoziert – sowohl Lehrer als auch Mitschüler.
„Herr Rosner, kriege ich meine Kopfhörer wieder?“, ruft Florina. „Nein, und wenn du nicht gleich still bist, nehme ich dir gleich die nächsten weg!“ „Dann kriegst du Ärger von meinem Bruder!“, sagt Florina. „Deine Eltern können mal zum nächsten Elternsprechtag kommen!“, sagt Herr Rosner. „Da können die nicht!“, sagt Florina und äfft Rosner hinter vorgehaltener Hand nach.
Florina äußert sich stets schreiend. Sie kann nicht in Zimmerlautstärke reden. Ihre Hosen trägt Florina zwei Nummern zu groß. Sie ist klein, frech und ungeheuer schlagfertig. Wie fast alle Schüler hat sie eine große Flasche Cola in ihrem Rucksack. Oft hat Florina in der großen Pause schon einen ganzen Liter Cola intus. Wie viele ihrer Mitschüler ist sie völlig überdreht.
Ganz anders ihre stille Freundin Nadja. Nadjas Vater ist über 70 Jahre, er stammt aus Kroatien. Wenn das Mädchen mittags von der Schule nach Hause kommt, ist er oft betrunken, so erzählt man sich. Nadja hat sieben Fünfen auf dem Zeugnis. Wenn kein Wunder geschieht, wird sie sitzen bleiben.
Umfrage

Um es zu schaffen, müsste sie ihr ganzes Leben komplett umkrempeln, vor allem die Eltern müssten mithelfen. Doch die sagen den Lehrern ganz offen: Wir haben unsere Tochter nicht mehr unter Kontrolle. Wir sind hilflos.
Florina, Faisal und Leon schreien in den kommenden Minuten ständig durcheinander, während Herr Rosner darum ringt, den Stromkreislauf zu erklären. Geräte, die Wärme erzeugen, brauchen eine große Leistung.
„Welche Geräte erzeugen Wärme?“, fragt Rosner. „Kühlschrank!“, sagt Faisal. Rosner schlägt die Hand vors Gesicht. Er schließt einen Fön an ein Strommessgerät an. „Was haben wir hier für eine Spannung?“ Seine Frage geht in dem Geschrei unter.
„Hier, ich hab Leistung, Herr Rosner!“
„Bist du dumm, ey!“
„Halt die Schnauze!“
„Ey, du Spast!“
Rosner ist schließlich sprachlos. „Ist ja irre, ist das ja“, stammelt er verzweifelt. Florina schickt er vor die Tür; die quittiert ihren Rausschmiss mit dem Kommentar: „Sag mir Bescheid, wenn deine Stunde zu Ende ist!“

Kinder deutscher Eltern gibt es kaum
Vor 20 Jahren noch gab es an den Schulen Berliner Stadtteile wie Kreuzberg oder Schöneberg eine Quote von rund 30 Prozent Kindern nichtdeutscher Herkunft. Das klappte. Auch die Kinder auf der Hauptschule sprachen gut deutsch. Jetzt, sagt die Deutschlehrerin Sabine Espe, sei das Niveau total abgesackt. Sogenannte Bio-Deutsche, also Kinder zweier deutscher Eltern, gibt es in der 8. ISS kaum.
Dabei liegt die Schule in Friedenau, einem gut bürgerlichen Stadtteil Berlins mit stattlichen Mieten – nicht etwa in den ausgewiesenen „Problemkiezen“ wie Neukölln oder Wedding. Rund 85 Prozent der Kinder sind NDH – nicht deutscher Herkunft.
Wenn im Ethik-Unterricht 25 Kinder sitzen, sind vielleicht drei von ihnen keine Muslime. „Christen gibt es hier nur ganz wenige“, sagt eine Ethiklehrerin. Deutschenfeindlichkeit ist ein Problem, ganz einfach weil die Deutschen in der Minderheit sind. Es gibt eine große Gruppe arabischer Schüler, viele kommen aus dem Libanon, einige von ihnen entstammen den in Berlin bekannten kriminellen Großfamilien.
„Es gibt eine Gruppe von rund 20 Schülern, die sich gar nichts mehr sagen lassen“, sagt Englisch-Lehrer Peuleke. „Sie legen ein schlimmes Verhalten gegenüber Lehrern und Mitschülern an den Tag. Als Gruppe stellen sie einen gewissen Machtfaktor dar. Sie können ihre Mitschüler unterdrücken, da sie auf den Schutz durch die Gruppe zählen können. Die Deutschen halten nicht so zusammen und sind in der absoluten Minderzahl. Wenn sich ein Deutscher etwa mit einem Libanesen anlegt, hat der oft keine Chance.“
Die Araber haben auf dem Schulhof sozusagen Heimvorteil. Als Integrationsschüler Erkan neulich den Hof sauber machte, fluchte er: Wenn jetzt noch ein Deutscher kommt und den Hof wieder dreckig macht!
Da werde er lange suchen müssen, sagte Peuleke. Denn es gibt eben kaum deutsche Schüler an der 8.Integrierten Sekundarschule.

Im Grunde sprachlose Menschen
Sabine Espe ist seit 20 Jahren Lehrerin. „Die Situation ist deutlich schlechter geworden“, sagt sie. „Die Kinder sind auffälliger, demotivierter.“ Das Problem sei nicht unbedingt, dass die Kinder schlecht deutsch sprächen – sie sprechen genauso schlecht die Sprache ihrer Eltern. Es sind im Grunde sprachlose Menschen.
Englisch, 8. Klasse, 7. Stunde. „Das wird jetzt nicht schön“, sagt Frau Espe. Sie soll recht behalten. Kurz gibt es Aufmerksamkeit, denn die Schüler befürchten, ich, die Reporterin, sei vom Jugendamt. Als das verneint wird, kehren die Schüler zurück zu ihrer rotzigen Gleichgültigkeit. Es fliegen Kügelchen durch die Gegend, alle reden durcheinander und beschimpfen sich gegenseitig.
„Du Opfer!“ „Du Missgeburt!“ Frau Espe wirft einen Schüler aus dem Klassenraum. Es hilft nicht. Jasmin klagt über Kopfschmerzen. „Ich will nach Hause, Sie können mir auch eine Sechs eintragen!“ Enem und Guido schieben laut quietschend ihren Tisch an die Wand. Die Ermahnung: „Sei mal leise!“, wird mit einem „Schnauze da!“ beantwortet.
Schnell wird klar: Unterricht ist unmöglich. Also lässt Espe die Schüler Vokabeln abschreiben. „Bring in der nächsten Stunde wenigstens deine Sachen mit“, ermahnt sie einen Schüler, bevor sie die Kinder nach Hause entlässt.
Lehrer fordern Rettungsschirm für Sekundarschulen
Die 8. ISS ist nicht die einzige Schule mit diesen Problemen. Im Gegenteil: Viele Sekundarschulen des Bezirks klagen über die unhaltbare Situation. Anfang des Jahres zogen Hunderte von Lehrern mit Transparenten durch den Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie forderten einen Rettungsschirm für Berliner Sekundarschulen. Angekommen im Rathaus drückten sie dem Schulrat ein Zeugnis in die Hand über die bisher nicht oder zumindest nur mangelhaft geleisteten Strukturreformmaßnahmen. „So wird die ISS an die Wand gefahren!“
„Durch die Konzentration von schwierigen und verhaltensauffälligen Schülern ist ein normales Unterrichtsgespräch nicht mehr möglich“, sagt auch Ulrich Scholz, Lehrer an einer anderen Sekundarschule in Alt-Tempelhof, ein paar Kilometer weiter. Scholz hat Germanistik und Geschichte studiert, unterrichtet hat er in den vergangenen Jahren bereits elf verschiedene Fächer. Gerade war er drei Jahre lang an einer Schule in Ungarn.
Als er vor Kurzem wieder an seine deutsche Schule zurückkehrte, war er fassungslos. „In Ungarn wurde ich mit „Herr Lehrer“ angesprochen, der Lehrer ist dort eine Autoritätsperson, von dem die Schüler etwas lernen wollen“, sagt Scholz. „Dort wird die Schule als staatliche Institution geachtet. Das ist in Deutschland überhaupt nicht der Fall.“
“Banale soziale Verhaltensweisen beibringen”
Das kann Sabine Espe, die Deutschlehrerin, nur bestätigen. Sie sagt: „Offiziell waren wir eine Hauptschule, aber im Lehrerkollegium wurde oft gesagt, wir sind eigentlich schon eher eine Förderschule.“ Wenn die Matheprüfung besonders schlecht ausgefallen war, wurden in der nächsten Regelprüfung des Schulamts die Anforderungen heruntergesetzt – so auch in Niedersachsen geschehen.
„Wir müssen den Kindern oft banale soziale Verhaltensweisen beibringen“, sagt Frau Espe. „Da schaffen wir es nicht, den Lehrplan durchzuziehen.“
Natürlich gebe es auch begabte Kinder, die unterfordert seien, dann aber durch ihre Verhaltensauffälligkeiten oder schlichte Faulheit nicht weiterkämen – oder durch das Chaos im Unterricht. „In einer Hauptschulklasse mit 18 Schülern reicht das Spektrum vom lernbehinderten Schüler, den Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom und Lese-Rechtschreib-Auffälligen bis zu unterforderten intelligenteren Kindern. In den neuen Integrierten Sekundarschulen wird die Spannbreite bei 25 Schülern noch um einige wenige „gute“ real- oder gymnasialempfohlene Schüler erweitert – unter schlechteren Förderbedingungen!“
Mit der Zusammenlegung der Haupt- und Realschulen habe man eigentlich Gutes gewollt. De facto führe das unterschiedliche Wissensniveau der Schüler zu einer Senkung des Lerntempos. „In kleinen Klassen ist das alles umsetzbar“, sagt Sabine Espe. Mit kleinen Lerngruppen oder mindestens zwei Lehrern und Sozialpädagogen für die zu integrierenden Förderschüler. „Aber vom Sonderschüler zum Gymnasiasten alles in einer Klasse mit 25 Schülern?“, sagt Espe, „das ist ein sozial engagiertes Konzept, hinaufgepfropft auf ein marodes System, das ganz andere Bedingungen haben müsste, damit es funktionieren kann.“

Lehrer sind vor allem Sozialarbeiter
Im Unterricht hat die Lehrerin, wie das Gros ihrer Kollegen, immer ein Handy dabei. Sei es nur zur Drohung, um die Eltern direkt anzurufen, wenn es Probleme gibt. Sei es um Hilfe zu rufen wegen Unverschämtheiten, plötzlich ausbrechenden Kämpfen unter Schülern, explodierenden China-Böllern im Flur oder fremden Personen, die plötzlich im Schulgebäude auftauchen.
Auch auf dem Hof müsse man ständig auf der Hut sein. „Seit etwa zwei Jahren gibt es eine latente Aggression, eine große Unzufriedenheit unter den Schülern auf Grund ihrer Perspektivlosigkeit, die sich gern mal in Ausbrüchen gegen deutsche Lehrer oder Schüler Bahn brechen.“
Kollegen seien krank geworden oder ausgestiegen wegen der permanenten Angriffe von Schülern. Aber die Schüler bleiben. In Ermangelung geeigneter Ausbildungs- oder Arbeitsplätze gehen viele schulmüde Jugendliche noch ein weiteres Jahr zur allgemeinbildenden Schule und danach zur nächsten, einer berufsbildenden.
Die schwierigsten Schüler, so ist die einhellige Meinung im Kollegium, sind die mit türkischem und besonders die mit arabischem Hintergrund. Längst gibt es unter gebildeten Türken eine Parallelbewegung zur Entmischung mit der Gründung türkischer Gymnasien. Ein Großteil der bildungsbewussten Eltern schickt ihre Kinder nicht auf die vorgesehene Einzugsschule – egal ob deutscher oder nichtdeutscher Herkunft. „Unsere ehemalige türkische Sekretärin schickte ihre Kinder in eine katholische Kita“, sagt Espe.

Die schwierigste Klasse der Schule
Am nächsten Tag werde ich als Studentin vorgestellt. Von 15 Schülern der Klasse 10.2 sind sechs heute nicht da. Schwänzen ist ein großes Problem. Die 10.2 gilt als die schwierigste Klasse der ganzen Schule. Sieben Schüler haben keine Chance auf einen Abschluss. Gerade sind zwei besonders aggressive Schüler in Parallelklassen versetzt worden. Seitdem hat sich das Klima ein bisschen gebessert.
Damit ein Unterricht überhaupt möglich ist, wird die Klasse geteilt. Das Fach heißt Arbeitslehre. Die eine Hälfte der Schüler wird mit der Konrektorin Frau Zühlke gemeinsam das Mittagessen kochen. Zühlke ist ein mütterlicher Typ. Zwei der Mädchen stürmen ihr entgegen, sobald sie den Klassenraum betritt, und fallen ihr nacheinander um den Hals. „Komm, lasst euch mal drücken“, sagt Zühlke.
Die Mädchen brauchen die Zuneigung und den Körperkontakt, wird die später erklären. Zu Hause bekommen sie es nicht. Der Lehrer, so scheint es, muss nicht nur Wissensvermittler und Sozialarbeiter sein. Er muss vor allen Dingen auch die Eltern ersetzen. Allzu oft gibt es die gleichen sozialen Koordinaten im Elternhaus: Scheidung, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus.

Die zweite Hälfte der Klasse geht gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer Jürgen Salomon in die Werkräume. Von den fünf Schülern sind zwei sogenannte Rückläufer. Auf der Realschule haben sie es nicht geschafft, obwohl sie eigentlich begabt sind. Aber sie sind faul und bekommen es einfach nicht hin, sich nachmittags an die Hausaufgaben zu setzen.
Ein anderes Mädchen hingegen, Doreen, ein blasses Kind mit trüben Augen, ist ein besonders schwieriger Fall. Sie legt eigentlich permanent nur den Kopf auf den Tisch und lässt den Schulstoff an sich vorbeirauschen.
Die fachliche Qualifikation der Lehrer spielt bei diesen Schülern eigentlich kaum noch eine Rolle. Herr Salomon hat in der vergangenen Woche sechs lange Telefonate mit Eltern seiner Schüler geführt. Doreens Eltern hat er eingebläut, sie sollten darauf achten, dass ihre Tochter jeden Morgen die Schulsachen mitnimmt. Juris Mutter hat er dazu verdonnert, ihren Sohn jeden Morgen in die Schule zu bringen, weil er sonst eigentlich immer zu spät kommt und fast die ganze erste Stunde verpasst. Letztes Jahr hatte er 47 Fehltage – bei einem Halbjahr mit 85 Schultagen.
“Sie brauchen Unterricht, in dem sie etwas mit ihren Händen herstellen”
Fünf Schüler sitzen nun im Werkraum und haben die Aufgabe, einen Grundriss für eine Drei-Zimmer-Wohnung mit 80 Quadratmetern zu erstellen. In einer so kleinen Gruppe ist Unterricht plötzlich möglich. Die Schüler zeichnen, messen und radieren bisweilen eifrig.
Das Fach Arbeitslehre gilt als typisches Hauptschulfach und wird mit der Schulreform abgeschafft. Es heißt ab sofort WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik) und soll vom Umfang von vier auf zwei Wochenstunden reduziert werden. In Jürgen Salomons Augen eine Fehlentscheidung. „Es soll ja ab sofort nur noch ganz tolle Bildung geben. Deutsch, Mathe, Englisch, Geschichte. Aber die Schüler brauchen auch einen Unterricht, in dem sie etwas mit ihren Händen herstellen. Für viele Schüler ist das nicht nur eine Vorbereitung auf die Berufswahl, sondern auch eine wichtige Abwechslung zum sonstigen Unterricht.“
Jürgen Salomon ist ein Verfechter der ehemaligen Hauptschule. Grundsätzlich hat er zwar nichts gegen den Ansatz einer Integrierten Sekundarschule. Unterschiedlichen Begabungen könne er aber nur mit den entsprechenden Voraussetzungen gerecht werden. „Differenzieren bedeutet ja häufig auch örtlich trennen“, sagt Salomon. „In unserem neuen Schulgebäude sind die Klassenräume aber nur 49 qm groß. Darin sollen durchschnittlich 24, maximal 26 Schüler sitzen. Vom Lernbehinderten bis zum Gymnasiasten. Wie bitte schön soll das funktionieren?“, fragt Salomon und streicht sich über seinen weißen Bart.

Schüler können nicht mit Messer und Gabel essen
Er steht nun kurz vor der Pensionierung. Auch er sagt: Das Wissensniveau der Schüler sei im Laufe seiner Lehrtätigkeit stetig gesunken. Ihre Verhaltensauffälligkeit hingegen werde von Jahr zu Jahr größer.
Salomon hat mal an einer Gesamtschule gearbeitet, da waren die einzelnen Klassenräume durch Glastrennwände dreigeteilt. „So etwas ist natürlich optimal, dann kann man einzelne Gruppen mit unterschiedlichen Niveaus separieren und toll fördern“, sagt Salomon. „Aber hier?“ Es sei ein Fehler gewesen, dass nur wenige Lehrer vor der Reform und dem Entschluss, die Schule in ein neues Gebäude zu verfrachten, gefragt wurden.
So sei es nun gekommen wie häufig in der deutschen Bildungspolitik. Jemand aus dem Politikbetrieb trifft die Entscheidungen. „Und die Lehrer müssen es ausbaden“, sagt Herr Salomon.
Fernseher, Sofa, Doppelbett – die Schüler müssen die Symbole ausschneiden und in ihren Grundriss kleben – das ist wichtig für die Feinmotorik, sagt Salomon. Letzte Woche hatte er seine besten drei Schüler als Belohnung zum Pizza-Essen eingeladen. Zwei von ihnen konnten nicht mit Messer und Gabel umgehen. „Meine Mutter gibt mir das immer schon fertig geschnitten“, sagte Ali. In seiner Familie sei er der „Prinz“, sagt Ali und werde natürlich von der häuslichen Arbeit freigestellt.
Nur wenn sie malen, ist es ruhig
Salomon hat die Klasse vor einem Jahr übernommen. Der erste Klassenlehrer war den Schülern zu autoritär. Er ist nicht an die Schüler herangekommen, sie haben ihn eiskalt abblitzen lassen. Der Lehrer hat die Schule mittlerweile verlassen und leidet an einem Burn-out-Syndrom. Dann hat die Konrektorin Zühlke die Klasse übernommen. Und schließlich Jürgen Salomon.
Eigentlich, sagt der, hätten die Schüler das Zeug zu einer tollen Klasse gehabt. Aber es sei eben viel schiefgelaufen. Anfangs schlug ihm schlimme Ablehnung entgegen. Allmählich hat sich sein Verhältnis zu den Schülern zwar ein bisschen gebessert. Toll ist es aber nicht.

Faisal, ein lernbehinderter Schüler, ist völlig distanzlos und greift seinen Mitschülerinnen – und auch den Lehrerinnen – oft völlig unvermittelt ans Knie. Salomon legt Faisal immer wieder die Hand auf die Schulter und murmelt ihm wie ein Mantra ins Ohr, er solle sich beruhigen. Das Kinderzimmer zeichnet Faisal besonders klein. „Ein Kind braucht doch nichts außer einem Fernseher“, sagt Faisal und sucht nach dem Symbol für einen großen Flachbildschirm.
Wenn ein Schüler einen Förderstatus hat, bekommt er ein Sternchen hinter die Zensur. Eine Drei mit Sternchen bedeutet etwa: Eigentlich ist es eine Fünf, aber er hat sich angestrengt. Weil es keinen Co-Lehrer mehr gibt, sitzen Faisal, Emel und Doreen meist einfach nur rum und langweilen sich, während der unverständliche Stoff an ihnen vorbeirauscht. Wenn es gut läuft, malen sie Bilder aus.

Oft sind verhaltensauffällige Schüler die besten
Die Deutschen sind in der 10.2 klar in der Minderheit – unter den 15 Schülern sind zwei Deutsche. Aber der Rest ist zu heterogen, als dass sich eine Übermacht bilden könnte. Es gibt einen Russen, einen Kasachen, eine Griechin, einen Kosovo-Albaner, eine Kroatin, drei Libanesen, fünf Türken.
Leon, einer der beiden Deutschen, ist Klassenbester, aber stark auffällig. Während Herr Salomon die Symbole der verschiedenen Möbel erklärt, fängt er plötzlich lauthals an zu singen. Lisa, die andere deutsche Schülerin, ist eine krasse Außenseiterin. Das Mädchen spricht kaum. „Die darf man nicht anrühren“, sagen ihre Klassenkameraden. Lisa hat Sprachstörungen. Es hat Kreisgespräche mit ihren Klassenkameraden gegeben, aber es hat nichts geholfen.
Da hat es Leon besser getroffen. Auf ihn trifft eine kuriose Faustregel zu, die die Lehrer beobachten: Oft sind die verhaltensauffälligsten Schüler die besten. Der Junge ist Klassenbester und zugleich einer der hoffnungsvollsten Schüler der ganzen Schule. Gegen seine teils sehr aggressiven Mitschüler setzt er sich durch. Wenn er beschimpft wird, poltert er zurück. „Ey, du Christ!“, sagt Faisal, als Leon seinen Pritt-Stift benutzt. Leon guckt so, als ob er Ali jede Sekunde an die Gurgel springt. „War ein Scherz, Mann!“, ruft dieser schnell.
Eine Zeit lang trug Leon die Haare lang. „Die Araber-Jungs haben mich gemobbt und ‚schwule Sau’ hinter mir hergerufen“, erzählt er. „Seitdem ich beim Friseur war, ist es besser geworden.“ Der Stoff ist Leon meist zu einfach. Meist sitzt er rum und langweilt sich, dann fängt er an zu stören, wird störrisch oder schaltet ab.
Während Salomon mit der Hälfte der Klasse Grundrisse skizziert, kocht Konrektorin Zühlke mit der anderen Hälfte Eier mit Senfsoße, die in der Mittagspause für 1,50 Euro pro Portion verkauft werden. Die Zusatzkräfte wurden mit der Schulreform gestrichen, also muss Zühlke nach dem Mittagessen selbst spülen und spottet: „Das gehört zu meinen Aufgaben als stellvertretende Schulleiterin.“
“Interessiert mich nicht, ich rauche trotzdem weiter”
Tags darauf, Biologie. Bevor die Lehrerin Frau Orlova mit ihrem Unterricht beginnt, fragt sie die Schüler, wie ihnen der Ausflug ins Anti-Raucher-Zentrum in der vergangenen Woche gefallen hat.
„Hat sich nicht gelohnt!“ „War nichts Neues!“, kommt als Antwort.
„Wusstet ihr denn zum Beispiel schon, dass in Zigaretten auch das Rattengift Arsen enthalten ist?“, fragt Orlova.
„Interessiert mich nicht, ich rauche trotzdem weiter“, sagt Yasemin.
Orlova gibt es auf, ermahnt einige Schüler, dass sie ihre Biohefte nicht dabeihaben, und geht dann über zum eigentlichen Thema der Stunde: Woraus besteht unser Blut?
Florina versucht, der Lehrerin das Wort “Sex” zu entlocken
Eigentlich sind die Voraussetzungen, ein bisschen Unterrichtsstoff zu schaffen, ganz gut. Heute gibt es eine Co-Lehrerin. Frau Wara steht kurz vor der Pensionierung. Sie macht einen sanftmütigen Eindruck und spricht mit starkem russischen Akzent. Florina versucht, Frau Wara das Wort „Sex“ zu entlocken, und sei es über den Umweg der Zahl sechs. „Frau Wara, wie viel Stunden haben Sie heute?“, blökt Florina. „Ich habe Unterricht bis zum Nachmittag“, sagt Frau Wara.
Florinas Freundin Yasemin, die gestern kommentarlos nicht erschienen ist, sitzt heute neben ihr. Yasemin ist ein hübsches Mädchen. Ihre mandelförmigen Augen hat sie mit einem schwarzen Lidstrich betont, sie hat strahlend weiße Zähne und trägt große glitzernde Kreolen. „Wir sind lesbisch, vielleicht wir vier mal alleine?“, fragt Florina ihre beiden Lehrerinnen und stupst Yasemin in die Seite.
Für die nächste Stunde steht Mathematik auf dem Stundenplan, bei Frau Prinz. Frau Prinz ist streng. Sie versucht mit ganzem Körpereinsatz ihre Schüler zur Aufmerksamkeit zu zwingen – in der nächsten Stunde schreiben sie eine Arbeit und sie will, dass sie nicht vollends danebengeht.
Frau Prinz hat eine harte Ausstrahlung, aber manchmal blitzt ihre Lebensfreude durch. „Können Sie noch mal so schön lachen“, fragt Yasemin bewundernd und betrachtet Prinz’ Schmollmund. Die ignoriert das und versucht ihren Schülern einzubläuen, wie man den Durchmesser eines Kreises berechnet. Dafür muss man eigentlich nur eine einzige Formel anwenden. Als sie Yasemin danach fragt, gibt diese zurück: „Frau Prinz, sind Ihre Lippen eigentlich echt?“
Yasemins Mutter stammt aus Bangladesch, sie zieht ihre Tochter alleine groß. Ihren Mann hat sie rausgeschmissen, der ist zurück in das Land seiner Eltern gegangen. Yasemin hängt sehr an ihrem Vater, sie vermisst ihn. Seit er ausgezogen ist, kann sich das Mädchen kaum noch konzentrieren. Lieber lenkt sie sich ab. Sie versucht, ihren Schal und ihre Mütze so zu drapieren, dass ihre Kopfhörer nicht auffallen. Dann quengelt sie plötzlich: „Ich muss aufs Klo, ich kann’s nicht mehr aushalten, ich hab schon eine ganze Flasche Cola intus!“

Quengeln, stören, kokeln
Doch das Klo ist gesperrt. Es wurde mal wieder angekokelt. Die Toiletten in den oberen Klassenfluren sind sowieso meist versperrt, sonst wird geraucht und demoliert. Nur die Sammeltoiletten im Erdgeschoss sind den ganzen Tag über geöffnet. Wenn ein Schüler in den oberen Etagen zur Toilette war, müssen die Lehrer anschließend sofort wieder abschließen, sonst wird alles auseinandergenommen.

Deutschunterricht. Florina hat eine Sechs. Eigentlich muss sie eine Zwei schaffen im zweiten Halbjahr, wenn sie noch eine Chance auf eine Versetzung haben will. Nach mehrmaliger Aufforderung beginnt sie stockend einen Aufsatz vorzulesen. Sie liest wie ein Roboter, ohne jede Betonung.
Nurcan, die beste Schülerin in der Klasse, trägt als Einzige Kopftuch. Sie ist mager, unruhig, kichert viel. Im vergangenen Jahr ist sie von der Realschule gekommen, dort hat sie es nicht geschafft, obwohl sie eigentlich sehr begabt ist. Aber sie hat sich ausgeschlossen gefühlt.
In Englisch und Mathe besucht Nurcan auf der Sekundarschule nun die A-Klassen. Wer eine glatte Drei hat oder besser ist, darf einen Unterricht besuchen, der etwas mehr fordert und schneller den Stoff durchzieht. Das ist die einzige besondere Förderung, die die Schule anbieten kann.

Mit Hauptschulabschluss hat man keine große Auswahl
Als Berufswunsch geben fast alle Schüler Einzelhandelskaufmann oder Verkäuferin an. Mit einem Hauptschulabschluss hat man keine große Auswahl. Koch vielleicht. Reinigungsassistentin. Asphaltbauer. Aber als Tischlerlehrling etwa nehmen sie nur noch Abiturienten, in Ausnahmefällen gute Realschüler. Yasemin will plötzlich nach vorne. „Ich lern sonst nichts, weißt du?“
Es gilt, den Plural zu bilden. An der Tafel stehen einige Nomen. Lehrer, Tonne, Wurst, Clown. Die Kinder in der Klasse sind 13 bis 15 Jahre alt. Nicht alle werden die Aufgabe schaffen.
Kunst, siebte Stunde. Die Schüler sitzen ruhig auf ihren Stühlen und malen Masken, fast alle haben Kopfhörer in den Ohren. „Die Kinder dürfen bei mir, nachdem das Thema besprochen wurde, manchmal leise Musik hören“, sagt die Kunstlehrerin Jutta Hüttemann, „dann beruhigen sie sich und malen ganz andere Sachen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass dann sogar besonders gute Arbeiten entstehen.“
Die Kinder lieben sie. Frau Hüttemann strahlt eine natürliche Autorität aus und findet trotzdem – oder gerade deshalb – einen Draht zu den Schülern.
Als Frau Hüttemann wenig später im Lehrerzimmer sitzt, sagt sie: „Das sind ganz arme Kinder. Die haben alle extreme Probleme zu Hause. Nach wie vor bewundere ich viele Schüler, die es trotz ihrer häuslichen Situation schaffen, den Schulalltag zu bewältigen, wenn das Zimmer mit fünf Geschwistern geteilt wird, den ganzen Tag der Fernseher läuft und es keinen Arbeitsplatz gibt.“ Allein schon pünktlich in die Schule zu kommen sei eine Herausforderung, denn oft gebe es keine Mutter, die die Kinder wecke, geschweige denn ihnen ein Frühstück zubereite.
„Die Jungen dürfen raus und verbringen den Nachmittag mit Freunden auf der Straße, hängen ab und machen Blödsinn, und die Mädchen müssen den Müttern helfen und auf die Geschwister aufpassen. Ach, zum Glück ist es nicht bei allen Schülern so.“

Mena ist gerade verheiratet worden
Lalin ist neu in der Klasse, seit einem Monat, sie ist Analphabetin und erst im vergangenen Jahr aus den Bergen Kurdistans nach Deutschland gekommen. Mena ist gerade verheiratet worden. Daniel, ein Deutscher, ein schüchterner, kräftiger Junge, duckt sich weg. Bloß nicht auffallen, ist seine Devise. „Man muss sich durchbeißen“, sagt er leise.
An der Wand der Klassenräume hängen noch die Bilder und Texte vom letzten Projektthema: Messer machen Mörder. Messer ist die Tötungswaffe Nummer eins. Fast alle, die ein Messer tragen, waren schon einmal Opfer. Als Alternative werden Kampfsport und Fußballvereine vorgeschlagen.
Noch gibt es zwei Sozialarbeiter an der Schule. Doch die Mittel des Senats und des Europäischen Sozialfonds sind drastisch gekürzt worden, sodass eine der beiden Stellen im neuen Schuljahr wegfällt. Dabei sucht rund die Hälfte der Schüler den Kontakt zu den Sozialarbeitern und erzählt von ihren Problemen.
Viele erfahren zu Hause Gewalt. Ein Mädchen drohte kürzlich mit Selbstmord, weil es von ihrem Freund verlassen wurde. Rund die Hälfte der Familien der Schüler steht im Kontakt zum Jugendamt. Prügeleien auf dem Pausenhof, bei denen der Gürtel gezogen wird, sind keine Seltenheit. Allein im vergangenen Jahr bekamen fünf Schüler eine Anzeige, drei standen schon vor Gericht.

Einige Schüler haben einen Clan gebildet, üben großen Druck aus und erpressen andere Schüler, ihnen etwa die neuen Turnschuhe für die Sportstunde abzugeben, während diese dann barfuß Fußball spielen müssten. Generell gibt es eine starke Tendenz auszugrenzen. Die Migranten identifizieren sich eher mit ihren Herkunftsländern. Die Araber kämpfen gegen die Türken. Und beide gegen die Deutschen.
Einige Probleme könnten Sozialarbeiter auffangen. Doch bei einer halben Stelle für 300 Schüler macht Sozialarbeit keinen Sinn und kann höchstens kleinste Impulse geben.

“Leistungsorientierte Eltern meiden uns”
Ihre Schule, so befürchten die Lehrer der ehemaligen Waldenburgschule, bleibt ein Sammelbecken für leistungsschwache und verhaltensauffällige Kinder. „Es zeichnet sich ab, dass wir nicht die Durchmischung haben, die wir haben sollten“, sagt die Vize-Direktorin Zühlke. „Die Schüler mit einer Gymnasialempfehlung melden sich bei uns nicht an. Die leistungsorientierten Eltern meiden uns.“
Seit Beginn des Jahres gelten in Berlin die neuen Aufnahmekriterien in Sekundarschulen und Gymnasien. Die Schulen können nun 60 Prozent ihrer Schüler selbst auswählen, 30 Prozent der Plätze werden verlost, zehn Prozent werden an Härtefälle vergeben.
Deutlich mehr als die Hälfte der rund 200 weiterführenden Schulen wählt ihre künftigen Schüler nach dem Notendurchschnitt aus zwei Halbjahren der fünften und sechsten Klasse aus. Wer an den beliebten Sekundarschulen abgewiesen wird, kommt in die Restschulen. Die 8. ISS ist so eine. In den siebten Klassen dort, die im vergangenen Jahr als erste nach der Schulreform begannen, gibt es 96 Schüler. Davon haben neun Kinder einen Förderstatus, das Gros einen Hauptschul- und kein einziges eine Gymnasialempfehlung.
Dabei gibt es ein ehrgeiziges Konzept. Von 8 bis 8.15 Uhr gibt es Frühstück. Dann eine halbe Stunde Einstimmung. Um 8.45 beginnt der erste 80-minütige Unterrichtsblock: in den Hauptfächern Mathe, Deutsch oder Englisch. Nach einer kleinen Pause geht es in den zweiten Block: Gesellschaftswissenschaften, Geschichte, Ethik. Der dritte Block nach dem Mittagessen endet um 14.20 Uhr. Dienstags und mittwochs gibt es noch einen vierten Unterrichtsblock bis 16 Uhr.

Lehrer gehen vorzeitig in Rente
Nicht nur die Schüler fühlen sich von dem straffen Pensum überfordert. Drei Lehrer aus dem Kollegium gehen nun vorzeitig in Rente. Unter denen, die bleiben, ist das Engagement groß. Neulich Nachmittag haben sie sich verabredet, die Bohrmaschine von zu Hause mitgebracht und Tafeln angebracht im neuen Unterrichtsgebäude. Zuvor haben sie selbst die Wände geweißelt.
Doch das Durchschnittsalter der Lehrer beträgt 59 Jahre und es kommen nicht genug neue Kollegen nach. Gegenwärtig herrscht an der 8. ISS absoluter Lehrermangel. Die neuen Jahrgänge werden nach den Sommerferien nur nach einem Notstundenplan unterrichtet werden können. „Jetzt sitzen wir in der Falle“, sagt ein älterer Kollege.
Ähnlich dem Berliner Modell sind in nahezu allen Bundesländern Schulreformen geplant. Neben dem Gymnasium soll es künftig meist nur noch eine andere Schulform geben, die alle Abschlüsse bis zum Abitur anbietet. Gesamtschulen, Real- und Hauptschulen sollen zu einer Gemeinschaftsschule verschmelzen.
„Würden Sie Ihre Kinder auf eine Schule schicken, die weder baulich noch von der Ausstattung den Erfordernissen für eine gute Schule entspricht?“, fragt Jürgen Salomon, der Lehrer der schwierigen Klasse 10.2. „Ich nicht.“
Der soziale Frieden, so steht es zu befürchten, hat seine Grenzen. Jedes Jahr verlassen rund zehn Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss. Ohne einen Hauptschulabschluss bleibt den Jugendlichen nichts weiter als auf Sozialleistungen zu vertrauen. „Auf die Frage nach ihrem Berufswunsch antworteten mir einige Jugendliche neulich tatsächlich: ‚Ich mach Hartz IV’“, erzählt Sabine Espe. „Das ist eine Zeitbombe.“

*Die Namen der Schüler wurden geändert.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article13437242/So-chaotisch-geht-es-an-deutschen-Schulen-zu.html

Bertelsmann-Studie: Bürger fühlen sich bei politischen Entscheidungen ausgeschlossen und meinen, Politiker wollen es dabei belassen

 

Sehen Sie das Ergebnis der Studie auf der Seite des

“BFD-SÜD”

Sarrazins Erklärung: “Meine Thesen sollten der Integration dienen”

 

Steinmeier ist der Ansicht, Sarrazin habe in seiner Erklärung Fehler eingeräumt.

Wenn man diese Erklärung genau liest, so entsteht eher der Eindruck, Sarrazin habe deutlich gemacht, dass er an seinen Thesen festhält und keinen Grund sieht, zu Kreuze zu kriechen.

Gewiß ist die SPD-Führung froh, die Sache schnell erledigt zu haben, wenn auch das Ergebnis sicherlich nicht dem entspricht, was sich einige gewünscht haben. Ganz klarer Verlierer ist Parteichef Gabriel. Er hatte sich am lautesten für einen Parteiausschluss  ausgesprochen und steht nun ziemlich blamiert da.

Und der unvermeidliche Herr Edathy, der zu allem und jedem seine Meinung kundtun muß, hat Sarrazin gleich wieder neue Sanktionen angedroht, für den Fall, er würde die Parteilinie nicht absolut korrekt einhalten. All das ist das richtige Rezept, die SPD in der Wählergunst wieder nach vorn zu bringen.

Meinungsfreiheit war einmal, und die Möglichkeit einer sachlichen Auseinandersetzung wird auch nicht annähernd in Betracht gezogen. Oder fehlen den Kritikern die richtigen Argumente? Alles was bisher vorgebracht wurde, und das bezieht sich nicht nur auf die Genossen der SPD, ist mehr als kläglich.

Zusammenfassend kann man sagen, diese Farce von einem Parteiausschlussverfahren ist ein weiterer Sargnagel für die SPD. Und die Tage von Gabriel als Parteichef sind gezählt, die Damen Nahles und Schwesig haben sich schon positioniert. Soviel Prophezeiung sei gestattet.

jma

http://www.focus.de/politik/deutschland/parteiausschluss-steinmeier-froh-ueber-schnelles-ende-im-fall-sarrazin_aid_620946.htmlon

Sarrazins Erklärung im Wortlaut finden Sie im Spiegel-online:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,758686,00.html

Mit 25 zu alt für Begabtenförderung

Mit 25 zu alt für

Begabtenförderung

01.04.2011 – von S.G.

Bundesministerium diskriminiert 25Jährige wegen ihres Alters. KEIN APRILSCHERZ!!! “Vor gerade einem Monat habe ich meine Berufsausbildung zur Verwaltungsfachangestellten mit sehr guten Noten abgeschlossen. Grundsätzlich hätte ich mit diesen Leistungen nun die Möglichkeit ein Weiterbildungsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu beantragen. Dies wären dann insgesamt 5.100 € für Fortbildungen. Allerdings hat das Ministerium eine Altersgrenze bei 25 Jahren festgelegt. Es sollen “junge” Menschen gefördert werden. Da ich nun 2 Tage vor Abschluss der Ausbildung 25 geworden bin: PECH GEHABT!

Eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit nicht nur für mich! Es sollen begabte Menschen gefördert werden, dh Leute, die hervorragende Leistungen abliefern. Auf Nachfrage bei zwei antragbearbeitenden Personen konnte mir keine eine sachliche Begründung für die Altersgrenze liefern.

Bin ich nun aufgrund meines Alters nicht mehr in der Lage mir weiteres Wissen anzueignen oder wie darf man das verstehen? Ich habe auch nach der Ausbildung noch Motivation und Ambition mehr aus mir herauszuholen und mich weiter zu qualifizieren. Aber als “einfache Angestellte” ist man ja froh, wenn man sich Auto und Wohnung leisten kann, da ist kein Potential für teure Weiterbildungskurse.

Das ist das erste Mal, dass ich mich mit einer Altersdiskriminierung derart konfrontiert werde. Sehr frustrierend, wenn man sich überlegt, dass der Mitazubi, der evtl sogar noch etwas schlechtere Noten hat als man selbst, aber erst 24 Jahre “jung” ist, möglicherweise gefördert wird.”

Link: Bundesbildungsministerium diskriminiert doch nicht!